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Der Tornado von Burlage

Burlage, ein kleiner Ort im Landkreis Diepholz am Dümmer, wurde am 9. März 2002 von einem kurzlebigen Tornado getroffen. Auf einer rund 300m langen und knapp 50m breiten Schneise wurden Dächer abgedeckt, Äste und kleinere Bäume entwurzelt sowie ein PKW erheblich beschädigt, als eine Giebelwand eines Fachwerkhauses einstürzte. Eine nahe gelegene Kirche blieb unbeschädigt, einige Gräber auf dem direkt anliegenden Friedhof wurden allerdings in Mitleidenschaft gezogen. Personen wurden bei diesem Ereignis glücklicherweise nicht verletzt, der Sachschaden beträgt rund 100.000 Euro.

Der Tornado entwickelte sich gegen 19.30 Uhr, als eine ausgeprägte Schauerlinie (Trogtiefdurchgang) mit teils kräftigen eingelagerten Gewittern den Norddeutschen Raum von West nach Ost überquerte, vereinzelt wurde auch Hagel oder Graupel gemeldet, der zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen führte. Da es zu besagtem Zeitpunkt schon dunkel war und der kurze aber heftige Niederschlag die Sicht zusätzlich minderte, liegen keine direkten Beobachtungen vom Tornado vor. Die Gewitterwolken zeigten sich im Licht der untergehenden Sonne als eine düstere und bedrohlich aussehende Wolkenwand.

Die Tageshöchsttemperatur betrugt an diesem Tag 10°C. Die private Wetterstation von Andre Hergemoeller (Mettingen) registrierte kurz vor dem Gewitter noch eine Temperatur von 8,6°C. Etwa 15 Minuten später war die Temperatur dann auf nur noch 5,4°C gefallen - ähnlich dürfte es auch bei Burlage gewesen sein. Auch Osnabrück wurde zwischen 19.30 Uhr und 19.45 Uhr von den eingelagerten Gewittern getroffen, begleitet von einem kurzen Platzregen und Windböen bis Stärke 8.

Schauen wir uns nun die kurze Schneise der Zerstörung genauer an. Am besten öffnen Sie dazu parallel die Karte, um so die beschriebenen Punkte direkt vergleichen zu können. Die ersten Schäden konnten bei den mit "1" makierten Gebäuden festgestellt werden, hier wurden von zwei Häusern Dachpfannen abgetragen, der Schaden hielt sich aber noch in Grenzen. Der Tornado überquerte die Bahnlinie Osnabrück-Bremen (hier wurden keine Schäden gemeldet) und traf bei "2" auf einen kleinen Schuppen sowie auf ein paar davor stehende große Bäume. Von den Bäumen wurden zahlreiche (größere) Äste abgebrochen, der Schuppen wurde am Dach beschädigt, Dachpfannen fehlten. Das direkt anschließende Wohngebäude (Fachwerkhaus) mit der "3" wurde am stärksten betroffen, hier wurden zahlreiche Dachpfannen verschoben oder ganz vom Dach geweht. An der Ostseite des Hauses stürzte die Giebelwand ein und krachte auf einen im Hof abgestellten PKW. Die Trümmerteile (kleinere Holzstücke, Dachverkleidung und Glaswolle) wurden teilweise noch bis an das Ostende vom Friedhof sowie die parallel dazu verlaufende Straße geweht.

Auf dem Friedhof ("4") wurden mehrere kleine bis mittelgroße Bäume umgeknickt oder Äste abgeborchen, die auf die anliegenden Gräber stürzten. Der Friedhof wurde im Bereich der parallel verlaufenden Straße mit einer Klinkermauer abgegrenzt, die ebenfalls an einigen Stellen beschädigt wurde: Die auf der Mauer angebrachten Dachpfannen wurden durch die Sogwirkung teilweise von der Mauer abgerissen. Die direkt am Friedhof liegende Kirche hat keine erkennbaren Schäden erlitten. Auch östlich vom Friedhof konnten keine erkennbaren Zerstörungen mehr ausgemacht werden, lediglich kleinere Zweige und Äste lagen vereinzelt noch rum.

Auch wenn die Zerstörungen vor allem am Fachwerkhaus beträchtlich sind, war der Tornado selbst nur im Bereich F0-F1 anzuordnen, vermutlich hatte er keinen durchgehenden Kontakt mit dem Boden und konnte sich wegen der kurzen Dauer auch nicht voll ausbilden. Dieses Beispiel hat aber recht anschaulich gezeigt, wozu auch ein "kleiner" Tornado fähig ist. Und wäre er nur wenige Minuten früher entstanden, wäre die Zugbahn direkt über einen Campingplatz gelaufen und hätte dort dann wohl wesentlich mehr Verwüstungen angerichtet.

Sven Lüke


Bildergalerie: Blitzaufnahmen vom Gewitter


Bildergalerie: Durch den Tornado verursachte Schäden


Externe Links zum Thema: Videodateien zum Thema:
Thomas Sävert Naturgewalten (Tornados)
Tornadostatistik von Deutschland (Tordach)
Dokumenation des Bissendorfer Tornado von 1997
Platzregen und Blitzentladungen bei Osnabrück (1,8 MB)
Schäden durch den Tornado I (1,7 MB)
Schäden durch den Tornado II (1,1 MB)
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