Hallo,
wie versprochen war ich in Marienthal und Umgebung unterwegs, um die am Mittwoch entstandenen Schäden zu dokumentieren. Zunächst einmal Entwarnung, denn die stärksten Schäden befinden sich knapp 300m östlich des Dorfes. Schon bei der Anfahrt ist mir aufgefallen das es bereits östlich von Gransee in zunehmender Anzahl Einzelschäden bis T1 Stärke gibt. Die Fallrichtungen sind immer nach NO. Zwei Querfahrten ergaben das es sich um einen ca. 2km breiten Korridor handelt. Bis Marienthal ergibt das eine Länge von ca. 9km. In diesem Bereich müssen flächendeckend Böen in T1 Stärke (abgebrochene Bäume an der Landstrasse zw. Gransee und Zehdenick, der Ortsverbindung zw. Mildenberg und Zabelsdorf, Ortslage Zabelsdorf bis Marienthal) aufgetreten sein.
In Marienthal verschaffte ich mir erst mal einen Überblick. Im südlichen Teil des Dorfes lagen noch viele abgebrochene Äste am Boden, leider schon von den Anwohnern zusammengetragen. Allerdings war dieser Bereich sehr schmal, wenn ich immer noch von einer SW nach NO Ausdehnung ausgehe. Im mittleren und nördlichen Teil des Dorfes konnte ich keine Schäden ausmachen. Zum Wentowsee gefahren, welcher westlich des Dorfes liegt, ergab, das dort an einigen Pappeln grosse Äste abgebrochen waren. Hier war die Ausrichtung eher von West nach Ost. Diese Schäden markieren wohl den Westrand des von mir beschriebenen Korridors.
Von der Dorfstrasse Richtung Osten biegt die Waldstrasse ein an deren Ende sich ein kleines Waldgebiet, mehrere Stiche (alte Tontagebaue) und ein noch nicht so altes Restloch des letzten Tonabbaus anschliessen. Hier konnte ich die stärksten Schäden auffinden, welche ich später beschreiben werde.
Eine Übersichtskarte. Quelle:
http://www.openstreetmap.org/http://img505.imageshack.us/img505/4071 ... halwn0.jpgDazu eine Legende,
- die roten Linien markieren den Korridor der Schäden / rot gestrichelt bedeutet zunächst unbekannt, wird noch erfasst
- blau markiert die erwähnten Einzelschäden
- die kurze schwarze Linie soll die Waldstrasse darstellen
- im Bereich der grünen Linie traten die stärksten Vegetationsschäden auf
Die Zeugenaussagen.
Alle beschreiben eine "schwarze Wand" welche vom Wentowsee kommend heranzog, starken Regen der daraufhin einsetzte und an Intensität weiter zunahm und dann das plötzliche Verändern des Himmels in ein schmutziges Weiss bis Hellgrau mit abrupt einsetzendem Sturm.
Die beiden Zeuginnen aus dem Dorf: "... und wir sahen wie alles verwirbelt wurde und rasant in Richtung Waldstrasse und Stiche zog. Das dauerte nicht mal eine Minute."
eine Zeugin aus der Waldstrasse: "... als der Sturm einsetzte sah ich aus dem Küchenfenster (nach Norden) . Über den gesamten Hof war ein 50cm breiter Nebelstreifen in 2m Höhe für ein paar Sekunden zu sehen. Dazu ohrenbetäubender Lärm. Ich bekam einen Schrecken sowas hab ich noch nie bei einem Unwetter gesehen. Dann war es auch schon vorbei und mein Vordach war weg."
Anmerkung von mir: Die Zeugin ist wetterinteressiert und aus meiner Sicht glaubwürdig. Durch ihr doch schon hohes Alter hat sie schon einiges an Unwettern erlebt. Ich halte diesen Nebel für einen durch Unterdruck erzeugten Kondensstreifen. Alle im Eingangsthread beschriebenen Gebäudeschäden sind im Umkreis von 50m um diese Erscheinung entstanden. Bei dem Vordach handelt es sich um das Eingangs beschriebene. Die gegensätzliche Fallrichtung ist hier geklärt. Es ist abweichend in Richtung NW beim Nachbarn im Garten gelandet. Die Entfernung zu den Schäden im Wald beträgt ca. 300m.
Die Bilder. Sie sind geordnet und zeigen den Verlauf der Zugbahn von SW nach NO. Die Länge beträgt ca. 2km.
Zunächst 2 Bilder aus dem Dorf mit noch nicht beräumten Schäden. Das erste Bild ist am Wentowsee - Kanal aufgenommen und zeigt eine abgebrochene Weide.


Das Waldgebiet hinter der Waldstrasse


Die abgebrochenen Äste einer Akazie weisen ein auffälliges Fallmuster auf. In Bezug auf die Zugrichtung liegen sie zyclonal um den Stamm herum. Ich hab das mal im Bild markiert. Das Ereignis würde von links nach rechts durchs Bild ziehen. Ich würde hier schon ein Indiz für Rotation sehen.

Aus einer anderen Perspektive


Am rechten östlichen Rand der nun deutlichen Schneise sind die abgebrochenen Kronen der Kiefern nach aussen an den Rand der Schneise gedrückt und dort abgelegt worden. Zur Orientierung habe ich eine Kiefer markiert.




Der anschliessende Bereich ist völlig zerstört worden. Die Fallrichtungen gehen von NO über N bis NW. Im mittleren Bereich sind die Kiefern eher abgebrochen, währenddessen die Bäume um diese Mitte herum umgedrückt wurden. Was hier auffällt ist die Abweichung der Fallrichtungen in Richtung Nordwest.






Nach einem Bereich von ca. 500m ohne Schäden, plötzlich eine sehr schmale ca. 30m breite Schneise in einer ehemaligen Tongrube. Das erste Bild sollte eine abgebrochene ungefähr 10-jährige Kiefer zeigen. Erst zu Hause hab ich gesehen wo sie lag. Sehr kurios, Fallrichtung? wäre Westen (wohl eher Flugrichtung).

Dann noch unterschiedliche Fallrichtungen, ein Buchenzweig ohne Buche (die nächste steht ca. 200m entfernt, also verfrachtet) und gedrückte Kiefern hinter einer Birkengruppe.





Weitere 500m weiter Richtung Nordost noch eine vorgeschädigte Buche die jetzt nach 16 Jahren den Rest bekommen hat und eine gebrochene Eiche.
http://img58.imageshack.us/img58/2784/img7036nf1.jpghttp://img126.imageshack.us/img126/3770/img7037we3.jpgZusammen mit den Zeugenaussagen ist das schon ein interessanter Fall, einige Indizien wie Verfrachtungen und Wurfmuster lassen einen Tornado, welcher mehrmals für kurze Zeit Bodenkontakt hatte, plausibel erscheinen. Die stärksten Schäden sehe ich im betroffenen Waldstück bei T3/F1 aufgrund des Totalschadens.
Grüsse Heiko