Neue Rechercheergebnisse Region Nordost, Jahre 1648 bis 1972

Neue Rechercheergebnisse Region Nordost, Jahre 1648 bis 1972

Beitragvon Thilo Kühne am So Mär 18, 2007 7:45 pm

Hallo zusammen,

das Wochenende war bei mir recht turbulent aber auch erfolgreich in Bezug auf historische Unwetterereignisse aus der Region Nordost-Deutschland. Mein Ausgangspunkt war Wesenberg (Landkreis Mecklenburg-Strelitz, MV) wo ich eigentlich Näheres zu dem potentiellen Tornadofall von 1986 (Drosedow/Ahrensberg) erfahren wollte. Leider konnte ich zu diesem Ereignis nichts Neues zu Tage fördern, dafür aber einige andere Ereignisse aus dieser Großregion (auch nördliches Brandenburg).

Hier die Daten zu den Ereignissen im Einzelnen:

I. Jahr 1648 - Drosedow (Landkreis Mecklenburg-Strelitz, MV):
Ereignis: pot.Tornado/pot. Downburst

In der Veröffentlichung "Strelitzer Geschichte(n), Wesenberger Umgebung sehen und entdecken" von K.Ridder und H.Sensenhauser von 1997 werden geschichtliche Ereignisse in der Region westliches Mecklenburg-Strelitz erfasst; diese sind nach Orte gelistet. Hier findet sich zu dem Dorf Drosedow folgender Eintrag:
"[...] in Drosedow selbst wurde eine Kirche im Jahr 1648 vom Sturm niedergeworfen, während der Neubau erst 1734 fertig wurde."
Quelle: "Strelitzer Gechite(n), Wesenberger Umgebung sehen und entdecken", S.41, K.Ridder und H.Sensenhauser, Neustrelitz, 1997


II. Jahr 1755 - Stechlin (Landkreis Oberhavel, BRB):
Ereignis: Tornados (vermutl. 2x als Wasserhosen)

Auszug:
"Als das Lissaboner Erbeben war, 1755, waren hier Strudel und Trichter, und stäubende Wasserhosen tanzten zwischen den Ufern hin[...]."
Quelle: "Märkischer Bilderbogen", S.40, G.Heller, Berlin, 1976 (1.Auflage DDR)

Der Stechlin (oder auch Großer Stechlin/Großer Stechlinsee)ist ein See (ca. 300 ha groß) in der Menzer Heide im äußersten Nordwesten des brandenburgischen Landkreises Oberhavel. Der naheste besiedelte Ort ist, neben dem Gehöft Stechlin, das Dorf Neuglobsow (ca. 15 km NO von Rheinsberg).


III. Juli 1859 - Wustrau (Landkreis Ostprignitz-Ruppin, BRB)
Ereignis: Starkregen

In der gleichen Quelle wie bei II. wird ein Starkregenereignis beschrieben, welches den Erlebnissen T.Fontanes an der Überfahrt über den Ruppine See bei Wustrau widerfahren sei. Demnach zog im Juli 1859 ein starkes Gewitter über diese Region und setzte das Fährboot innerhalb von Minuten zT unter Wasser.

Quelle: "Märkischer Bilderbogen", S.112, G.Heller, Berlin, 1976 (1.Auflage DDR)


IV.Mai 1933 - Wesenberg (Landkreis Mecklenburg-Strelitz, MV)
Ereignis: schwerer Hagelschlag

Hierzu habe ich eine Zeitzeugenaussage erhalten:
"Im Mai 1933, da war ich fast mit meinem ersten Schuljahr fertig, nahm mich mein Vater mit raus auf's Feld um nach dem Weizen zu sehen. Sehr rasch zog ein Gewitter heran. Ein schmaler Bereich mit Hagelschlag zog sich vom späteren Kinderheim am Weißen See über den Wörlandberg und an der südwestlichen Seite von Wesenberg vorbei bis hinunter wo wir waren - nahe der Schwaan-Havel. Die größten Hagelkörner waren so groß wie Teetassen. Unser gesamter Erntebestand wurde damals vernichtet. Auch in einigen Teilen des Ortes war es schlimm. Die Hagelschicht reichte an manchen stellen kniehoch.[...]."
Quelle: Zeitzeugenaussage (17.03.2007), H.Zimmermann, Wesenberg

Der Vergleich zu Teetassen in Bezug auf Hagelgrößen ist mir bisher unbekannt. Man könnte schätzen, dass die Hagelkörner vielleicht um 7 cm groß waren.


V. 13.11.1972 - Paulinenaue (Landkreis Havelland, BRB)
Ereignis: Orkan

Berichtauszug aus einem Erlebnisbericht:
"13.November 1972. Der Sturm fegt mit zunehmender Heftigkeit über das weite Luch. Auf der sonst so belebten Hamburger Chaussee ist heute nur unterwegs, wer unbedingt sein Ziel erreichen muss. Eicheln oder Kastanien knallen wie Hagelkörner auf's Autodach, im Straßengraben liegt ein Skoda, Räder nach oben. Der Fahrer hat den Wagen nicht mehr halten können. Ich atme auf, als ich das Ortsschild "Paulinenaue" sehe. Eine Stunde später liegt der Ort abgeschlossen von der Welt. Baumriesen, so dick, dass zwei Männer sie kaum zu umspannen vermögen, fallen auf einen Steich, blockieren die einzige Zufahrtsstraße; Kiefernkronen wirbeln wie Kinderdrachen durch die Luft.Das elektrische Licht flackert noch ein paar Mal auf, erlöscht dann. Telefone bleiben stumm, und im Kastanienweg, wo die neuen Einfamilienhäuser stehen, behält der Tierarzt als einziger ein heiles Dach überm Kopf.[...]"
Quelle: "Märkischer Bilderbogen", S.126, G.Heller, Berlin, 1976 (1.Auflage DDR)



so viel erst einmal dazu...


Grüße,
Thilo
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