Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

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Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Sven Lüke am Samstag 20. November 2010, 12:19

Hallo,

am 18. und 19. November 2010 fand in Offenbach der 2. Tornadoworkshop des DWD statt. In diversen Vorträgen haben zahlreiche Experten aus dem In- und Ausland über diverse Aspekte der Tornadoforschung gesprochen und diskutiert. Die Zuschauer dieser nicht öffentlichen Veranstaltung setzten sich größtenteils aus Mitarbeitern des DWD zusammen sowie, ein paar ausländische Forscher sowie natürlich den Personen, die Vorträge gehalten haben. Hier eine kleine Zusammenfassung des Workshops, wo Skywarn mit zwei Vorträgen vertreten war.

Alles fing um 10:30 Uhr mit einer im Vorfeld des Workshops durchgeführten Pressekonferenz statt. Ich hatte eigentlich mehr Medien im Gartensaal des DWD erwartet, so war neben dem hr auch SAT.1 (Regional) dabei, Redakteure der dpa, BILD und anderen Agenturen, insgesamt konnte man die Anzahl der Personen aber an zwei Händen abzählen.

Ganz vorne am Tisch saßen Herr Lux (Pressesprecher DWD), Andreas Friedrich (Tornadobeauftrager beim DWD), Bernold Feuerstein (ESSL), Sven Lüke (Skywarn Deutschland), Chuck Doswell sowie Dr. Russel Schneider (Leiter des NOAA/SPC, dem amerikanischen Wetterdienst). In dieser genannten Reihenfolge konnte dann jede Person mit Hilfe ein paar Powerpoint-Präsentationen erklären, was seine Organisation denn so macht. Diese Folien gibt es 1:1 auch im Internet zu sehen: http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW ... posium.pdf

Als ich an der Reihe war, erzählte ich also ein paar Sachen über Skywarn, was wir so machen und unsere Aufgabe ist. Als ich nach ein paar Minuten fertig war, hatten die Presseleute es wohl aufgenommen, aber wohl noch nicht so ganz verarbeitet. Nach ein paar Sekunden dann eine (anfangs noch zögerliche) Frage zu den Stormchasern. Ich hatte diesen Aspekt erklärt und da war das Eis dann gebrochen, die Medien fragten gezielter nach und ich wurde nach der eigentlichen Pressekonferenz (obige erwähnte Reihenfolge) noch in Einzelinterviews vernommen.

SAT.1 (Regionalausgabe) stellte mir ein paar kurze Fragen vor der Kamera, dann noch ein paar Kamerafahrten um meine Person herum, wie ich in den grauen Novemberhimmel blickte. Zwei Journalisten beantwortete ich Fragen und einer davon war von der BILD. Sieben Jahre lang hatte ich es geschafft, nicht in dieser Zeitung zu erscheinen, jetzt hatten sie mich am Wickel. Nun ja, da musste ich jetzt durch, es wurden noch ein paar Fotos gemacht und ich bin mal gespannt, ob und wann und in welcher Auflage (regional oder ganz DE) dazu noch was geschrieben wird. Liebe BILD: Das war jetzt Eure Chance, vermasselt es nicht!

OK, kommen wir jetzt zum eigentlichen Workshop, der um 13:30 Uhr anfing. Ich gebe hier (teils mit persönlichen Noten versehenen) die vorgetragenen Präsentationen mal kurz wieder. Dazu sei noch angemerkt, dass alle Vorträge in Englisch vorgetragen wurden:

Begonnen wurde mit der allgemeinen Begrüßung sowie einer Gedenkminute für den verstorbenen Nikolai Dotzek. Dann waren Bernold Feuerstein, Pieter Groenemeijer und Thilo Kühne an der Reihe und hatten über die Arbeit beim ESSL gesprochen. Für uns nichts wirklich Neues und da wir das ja schon alles kennen, gehe ich da auch nicht hier groß weiter drauf ein.

Dann war ich an der Reihe und hatte etwas über das Thema "Stormchasing - Chasing Tornadoes in Germany" erzählt. Ich ging dabei auf allgemeine Punkte ein (Schulungscenter, unsere Ausrüstung, etc), aber auch das Thema Sicherheit wurde angesprochen, unterlegt mit anonymisierten Bildern vom Fehlverhalten während des Chasings (Blitzschlaggefahr und Kamera in der Hand während der Autofahrt). Persönlich hatte ich das Gefühl, dass ich mit dem Vortrag wesentlich schneller durch war, als ich vom Zeitrahmen zur Verfügung hatte, aber es konnten so noch ein paar Fragen gestellt werden. Chuck Doswell sagte mir nach dem Vortrag noch "Good Job, man" zu meiner Präsentation, vor allem wohl auch wegen dem Umstand, dass ich auf den Sicherheitsaspekt eingegangen war, der beim Stormchasing aufkommt.

Dann war Andreas K. an der Reihe. Souverän erklärte er die neue Meldehotline von Skywarn und wie die Daten darin verarbeitet werden. Brauch ich an dieser Stelle ja nicht groß weiter zu erklären.

Christoph Gatzen und Helge Tuschy erzählten dann etwas über Estofex. Herrlich die Anekdote, wie der Name Estofex entstanden war und was Nikolai Dotzek dazu damals beim ersten Mal sagte, als er den Namen hörte: "Also für mich hört sich das wie ein Waschmittel an". Christoph packte dann eine überklebten Waschmittelkarton aus ("EstofeX, das neue kraftvolle Waschmittel") und hatte die Lacher damit auf seiner Seite.

Chuck Doswell erzählte dann eine ganze Menge über die Arbeit von Skywarn in den USA. Die unterscheidet sich erheblich von dem, was wir in Deutschland und Europa machen. So werden dort überwiegend Spotter eingesetzt, die bei einem aufziehenden Unwetter von lokalen Emergency Centern (Rettungsleitstellen) an diversen Posten aufgestellt werden und dann Bericht abgeben, wenn was passiert. Chuck ist ein überaus talentierter Redner und hat es drauf, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Und sein Englisch ist supergut zu verstehen.

Dann waren Emmanuel Wesolek/Pierre Mahieu (Keraunos France) an der Reihe, sie gingen detailliert auf den Tornado von Hautmont ein, der ja mit F4 klassifiziert wurde. Resümierend kann man hier sagen, dass noch immer im Raum steht, dass vielleicht auch ein F5 noch möglich wäre, wo sich die Franzosen aber noch nicht mit anfreunden möchten. Innerlich musste ich manchmal in mich hineingrinsen, weil sich Englisch mit französischem Akzent einfach herrlich anhört (z.B. "Anemometer"). Warum die Franzosen hier auch "eigenbrötlerisch" selbst Outlooks im Rahmen der Keraunos France erstellen und ihre Manpower nicht bei Estofex einbinden, bleibt nicht nur mir ein Rätsel.

Dann war Marianne König von EUMETSAT an der Reihe und erzählte etwas über die neue Generation von Satelliten und wie diese dazu verwendet werden können, um konvektive Vorgänge in der Atmosphäre zu erfassen. Dazu wurde im Anschluss dann auch noch EUMETSAT-Zentrale in Darmstadt besucht, wo es noch ein paar detaillierte Informationen gab. Der erste Tag endete dann mit einem gemeinsamen Abendessen beim Mongolen. War echt lecker, aber die Geräuschkulisse war doch recht laut und Gespräche teils etwas anstrengend.

Am nächsten Tag erzählte dann Dr. Aurora Bell vom rumänischen Wetterdienst etwas über Tornados und Superzellen im süd-östlichen Rumänien. Wie sie entstehen, welche Wetterlage dafür vorherrschen muss, etc. Ein in meinen Augen sehr interessanter Vortrag und die Gegend im süd-östlichen Rumänien könnte sich durchaus mal für eine Sturmjagd anbieten.

Dann waren Mitarbeiter vom DWD mit Vorträgen vertreten und erzählten von einigen Produkten, die dort in der Entwicklung und im Einsatz sind. Neben dem Erkennen von Mesozyklonen (z..B. bei Velocitykarten der Radardaten) war ich besonders vom SDI (Supercell Detection Index) angetan. Dieses Verfahren berechnet bis zu 12 Stunden vorab, wo mit Superzellen zu rechnen ist. Die Daten werden dabei als eine vorausberechnete und animierte Niederschlagsradarkarte dargestellt. An Hand ein paar Beispiel wurde dabei gezeigt, wie sich die Vorausberechnung mit dem tatsächlichen Radarbild deckte. So wurde das Ereignis vom Pfingstmontag in Sachsen und Brandenburg nahezu komplett an die Polnische Grenze verschoben, in Deutschland gab es nur wenige Echos.

Andere Beispiele aber zeigten, wie gut das System arbeitet. Exemplarisch sei hier der 9. Juni 2010 aufgeführt, wo eine Superzelle mit Tornado ja durch den südlichen Osnabrücker Raum Richtung Ostwestfalen zog. Ich konnte diese Zelle, die sich damals ab 13:00 Uhr bildete, nicht chasen, da ich beruflich bei Gronau unterwegs war.

Fast schon erschreckend genau wurde die Zugbahn dieser Zelle mehrere Stunden im Vorfeld berechnet und als (ich muss es nochmals betonen) vorausberechnete Radarkarte wiedergegeben. Hätte ich davon gewusst, ich hätte den Nachmittag freinehmen können und die Zelle beobachten können. Das SDI-Verfahren wird in Zukunft sicherlich noch sehr interessant werden.

Zum Schluss war dann noch Dr. Russell Schneider mit seinem Vortrag an der Reihe. Im ersten Teil ging er etwas auf die Behörde im Allgemeinen ein, im zweiten Teil sehr detailliert darauf ein, bei welchen CAPE- und Scherungsparametern die meisten Tornados in den USA auftreten. Ich habe die ganzen Zahlen jetzt nicht mehr im Kopf, vielleicht kann die die Daten noch nachreichen. Es waren jedenfalls sehr viele Diagramme und Karten.

Dann wurde die Veranstaltung offiziell beendet und ich trat etwas später die Heimfahrt an – inklusive 13 km Stau auf der A5.

Grüße, Sven
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Sebastian Günther am Samstag 20. November 2010, 16:53

Vielen Dank für die Tolle Zusammenfassung und die Präsentation von Skywarn bei diesem Workshop.

Vielen vielen Dank an alle Beteiligen von Skywarn!
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon foto-erzgebirge am Samstag 20. November 2010, 23:37

Hallo Sven,
vielen Dank für deine menschlichen Eindrücke!
Ich selber habe auch schon bei der Bildzeitung ein Interview geführt. Ganz so verkehrt sind die nicht - glaube es mir :-)
Für Dich ein kleines Highlight - aber glaube mir, Du bist der richtige Mann dafür - souverän gemeistert!
Dann war Andreas an der Reihe. Souverän erklärte er die neue Meldehotline von Skywarn und wie die Daten darin verarbeitet werden. Brauch ich an dieser Stelle ja nicht groß weiter zu erklären.

Es ist schon toll wie das funktioniert. Nur Schade, dass man sich damit in den Mittelpunkt stellt. Es gibt Meldungen die eine Punktlandung waren. Auch was die Warnung von Tornados angeht. Meldungen gingen spezifisch heraus.

Eine Unwetterwarnung oder gar Tornadowarnung gab es nicht. Daher sehe ich mittlerweile die Publikation zu dessen nicht mehr ein. Gerne hört man sich Beiträge zu Tornadoforschung und der Warnung dazu an. Nur wenn man es nicht einmal schafft, eine Warnung aus einer Tot sicheren Meldung zu gestalten - sorry dann habe ich kein Verständnis mehr dafür, dass man dies Management so preist.

Dies ist meine Meinung dazu und hoffe damit kann der Vorstand umgehen.
Dann waren Mitarbeiter vom DWD mit Vorträgen vertreten und erzählten von einigen Produkten, die dort in der Entwicklung und im Einsatz sind. Neben dem Erkennen von Mesozyklonen (z..B. bei Velocitykarten der Radardaten) war ich besonders vom SDI (Supercell Detection Index) angetan. Dieses Verfahren berechnet bis zu 12 Stunden vorab, wo mit Superzellen zu rechnen ist. Die Daten werden dabei als eine vorausberechnete und animierte Niederschlagsradarkarte dargestellt. An Hand ein paar Beispiel wurde dabei gezeigt, wie sich die Vorausberechnung mit dem tatsächlichen Radarbild deckte. So wurde das Ereignis vom Pfingstmontag in Sachsen und Brandenburg nahezu komplett an die Polnische Grenze verschoben, in Deutschland gab es nur wenige Echos.

Die Modelle verbessern sich ständig. Gerade der Pfingsttornado wurde von UKMO mit einer Punktlandung berechnet. Generell ist das Modell bei der konvektiven Vorhersage ein Genuss!

Bernd
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Thomas Sävert am Sonntag 21. November 2010, 01:05

Hallo zusammen,

in dem Zusammenhang möchte ich nur mal kurz anmerken, dass seitens der Unwetterzentrale am 24.05.2010 für den betroffenen Streifen etwa ab Mühlberg die Warnstufe violett ausgegeben wurde. Die Warnungen enthielten Hinweise auf die Gefahr von Orkanböen und die Tornadogefahr. Im Bereich Bad Schmiedeberg waren die Radarsignale noch nicht so eindeutig, hier hatten wir rot ausgegeben.

Grüße, Thomas Sävert
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Cumulus Humilis am Sonntag 21. November 2010, 01:09

Hallo Sven,
Sven Lüke hat geschrieben:Christoph Gatzen und Helge Tuschy erzählten dann etwas über RegioExAKT. Herrlich die Anekdote, wie der Name RegioExAKT entstanden war und was Nikolai Dotzek dazu damals beim ersten Mal sagte, als er den Namen hörte: "Also für mich hört sich das wie ein Waschmittel an". Christoph packte dann eine überklebten Waschmittelkarton aus ("EstofeX, das neue kraftvolle Waschmittel") und hatte die Lacher damit auf seiner Seite.

da bist Du wohl gedanklich ein bisschen "verrutscht". Es ging nicht um RegioEXAKT sondern um ESTOFEX... :wink:


@Bernd:
Mir ist irgendwie gar nicht klar, was Du damit ausdrücken willst:
Es ist schon toll wie das funktioniert. Nur Schade, dass man sich damit in den Mittelpunkt stellt. Es gibt Meldungen die eine Punktlandung waren. Auch was die Warnung von Tornados angeht. Meldungen gingen spezifisch heraus.

Wer stellt sich damit in den Mittelpunkt? Skywarn? Nun, das Meldesytem ist der Mittelpunkt von Skywarn! Auch die anderen Aussagen in Deinem Posting verstehe ich leider nicht. :scratch:

Gruß,
Andreas
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon foto-erzgebirge am Sonntag 21. November 2010, 10:49

Hallo Thomas und Andreas,
@Thomas: UWZ war an dem Tag Spitze. Sofort als die Superzelle vorhanden war wurde gewarnt! Klasse Arbeit!
@Andreas: Ich hoffe Du warst nicht derjenige der das vorstellte. Ich dachte an dem Andreas vom DWD - ich dachte er hatte die Meldehotline vorgestellt...

Habe ich Dich mit dem anderen Andreas durcheinander gehauen - dann vergiss meine Ausführungen :mrgreen:

Bernd
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Erik Dirksen am Sonntag 21. November 2010, 14:12

Sehr schöne Nachlese, Sven. Ich hoffe mal, daß ich das nächste Mal auch mit dabei bin.

Grüße

Erik
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Forstexperte am Sonntag 21. November 2010, 22:18

Hallo zusammen,

Danke Dir, Sven für den lebendig und anschaulich geschriebenen Bericht!
Den kleinen Gedankenfehler von RegioEXAKT zu ESTOFEX hat Andreas ja schon klargestellt!

Viele Grüße, Martin
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Sven Lüke am Montag 22. November 2010, 00:05

Den kleinen Gedankenfehler von RegioExAKT zu Estofex habe ich korrigiert - zuviele Abkürzungen im Kopf gehabt die letzten Tage... :urghs:

Die Modelle verbessern sich ständig. Gerade der Pfingsttornado wurde von UKMO mit einer Punktlandung berechnet. Generell ist das Modell bei der konvektiven Vorhersage ein Genuss!


Nun, hier geht es nicht direkt um ein Modell, wie es GFS oder UKMO darstellt. Beim SDI wird (wohl auch auf Grundlage von diesen Modellen) eine Radarkarte mit möglichen Superzellen dargestellt. Stell Dir vor, Du könntest in IRAS eine Radaranimation anzeigen lassen, die bis zu 12 Stunden in die Zukunft vorausberechnet ist. Das macht das SDI-Verfahren.

Die anderen Modelle zeigen ja nur an, wo es z.B. Niederschläge geben kann. Eine vorausberechnete Radarkarte stellt das noch nicht dar. Und auch wenn SDI am Pfingsmontag das Ereignis ein paar Kilometer Richtung Polen verschoben hatte. Beim Workshop hatte es dazu treffend geheißen: "Für den Forecaster im Warndienst natürlich schlecht - für den Modellanalytiker aber eigentlich egal, denn das Modell hatte es ja im Endeffekt berechnet und vorausgesagt".

Grüße, Sven
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Dennis Oswald am Montag 22. November 2010, 17:51

Danke Dir Sven für die Infos! War bestimmt eine interessante Sache dort. Ich selber war damals beim 1. Workshop da und habe mir den Vortrag vom Chuck angehört. Ist schon spannend, wie er erzählen kann.

LG Dennis
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Thilo Kühne am Dienstag 23. November 2010, 16:05

Hallo Sven,

danke für die kleine Zusammenfassung.

Dann waren Emmanuel Wesolek/Pierre Mahieu (Keraunos France) an der Reihe, sie gingen detailliert auf den Tornado von Hautmont ein, der ja mit F4 klassifiziert wurde. Resümierend kann man hier sagen, dass noch immer im Raum steht, dass vielleicht auch ein F5 noch möglich wäre, wo sich die Franzosen aber noch nicht mit anfreunden möchten.


Auch wenn man beim Hautmont-Tornado einen F5 durchaus vermuten könnte, so liegt für mich hier doch eher ein starker F4, also F4 T9, vor. Aufgrund des einen Schadens des Hauses, welches komplett bis auf die Grundmauern zerstört wurde, könnte man F5 vermuten, doch gibt es Unklarheiten bzgl. der Standfestigkeit. Ich habe mich am EUMETSAT-Abend noch lange mit Wesolek und Mahieu unterhalten und sie meinten, dass dieses Haus eben nicht so 100% solide gewesen sein soll. Letztlich teile ich Doswells Meinung, dass hier ein starker F4 auf jeden Fall bewiesen ist, da die Argumentation völlig schlüssig und hinreichend ist. Für F5 gäbe es theoretisch auch ein paar Anhaltspunkte, doch sind diese argumentativ etwas zu dünn um einen Tornado dieser Intensität sicher beweisen zu können.

Warum die Franzosen hier auch "eigenbrötlerisch" selbst Outlooks im Rahmen der Keraunos France erstellen und ihre Manpower nicht bei Estofex einbinden, bleibt nicht nur mir ein Rätsel.


Wieso Rätsel? Das ist doch ganz schlüssig. Andere Länder, andere Sitten. Die Franzosen sind eben sehr stark auf ihr eigenen Terrain fixiert, so dass sie eben nur für ihren Bereich Outlooks erstellen. Des Weiteren ist dringend zu bedenken, dass Wesolek und Mahieu KERAUNOS komplett alleine führen. Selbst wenn sie Interesse an einer Arbeit mit ESTOFEX hätten, so bliebe kaum mehr ausreichend Zeit KERAUNOS entsprechend "sauber" zu führen. Außerdem haben sie auch innerhalb von KERAUNOS ein großes Forum zu Tornadofällen, auch aus Europa, und glaube mir, das Unwetterinteresse ist in diesem Punkt nicht nur auf Frankreich beschränkt.

Noch etwas am Rande:

Wie du (bzw. jene die auch in Offenbach waren) bemerkt hast, gab es einige kritische Stimmen ggü. Wesolek und Mahieu bzgl. der EF-Skala, der Hautmont-Intensitätseinstufung, etc., aber kaum einer hat sich mit ihnen bei den Coffee Breaks und beim Dinner wirklich ausreichend unterhalten und einfach einmal gefragt, weshalb sie dies so tun und wie sie es begründen. Das finde ich leider sehr sehr schade, zumal die beiden KERAUNOS-Leute unglaublich viel für ihr Territorium leisten und letztlich auch so sehr viel zur europäischen Klimatologie in Bezug auf Tornados und anderen Wettergefahren beitragen.

viele Grüße,
Thilo
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Cumulus Humilis am Mittwoch 24. November 2010, 19:21

Hallo Thilo,

ich glaube es stellt niemand in Frage, daß KERAUNOS exzellente Arbeit leistet und die Aufarbeitung des Hautemont-Falles geradezu als mustergültig angesehen werden kann. Das kam am Ende des Vortrages auch so rüber, denke ich. Dennoch muß es erlaubt sein, das ein oder andere kritisch zu hinterfragen. Bei der professionellen Herangehensweise, die ja schon bei der ECSS gezeigt wurde, hatten die beiden sicher Gründe dafür, wie sie ihr Rating gemacht haben. Es wäre aber schöner und der Anerkennung sicher auch zuträglicher, wenn sie dazu ein wenig mehr in den Vortrag eingebaut hätten. Dies in der Kaffeepause, etc. zu klären, ist im Einzelfall sicher eine Möglichkeit, aber eben kaum für das gesamte Plenum.

Was die Outlooks angeht, nun ja, viele machen neben ESTOFEX noch Outlooks für ihr Land oder ihre Region. Das sehe ich nicht als Problem an, im Gegenteil: Wenn gegenseitig auf die Outlooks geschaut wird, kann sich da schon mal der ein oder andere AHA-Effekt einstellen. Andererseits macht Wetter bekanntlich nicht an Grenzen halt und wer nur die eigene Region betrachtet, gerät eben schon mal in den Verdacht "Eigenbrötler" zu sein (siehe eine europäsche Inselnation ;-) ), obwohl dies objektiv betrachtet gar nicht der Fall ist. Die Argumentation mangelnder Personalkapazität ist hier allerdings schlüssig. Zwei Mann sind mit einem Flächenstaat wie Frankreich mit seiner sehr unterschiedlichen Klimatologie und Orografie sicher vollauf ausgelastet.

Die Tatsache, daß KERAUNOS sowohl bei der ECSS als auch beim DWD-Tornadoworkshop ihre Arbeit zum Hautemont-Fall sehr engagiert präsentiert haben, läßt mich glauben, daß hier keine Eigenbrötler am Werk sind und diese Organisation eine Bereicherung für Frankreich, aber auch ganz Europa darstellt. Dennoch wäre es dem Image sicher zuträglich, wenn die beiden bei anderen internationalen Veranstaltungen (z. B. EWK, vor allem aber der nächsten ECSS) ein wenig mehr über KERAUNOS selbst (Intention, Kooperationen, etc.) erzählen würden. PR gehört nun mal zum Geschäft (- hab ich das jetzt geschrieben? Oh Mann... ;-) )

Gruß,
Andreas
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon MSE29 am Samstag 27. November 2010, 13:17

Dazu mal ein Interview mit Andreas Friedrich vom DWD vom 18.11. auf WDR 5 in der Sendung Leonardo.

6-Minuten-Ausschnitt:
http://91.194.91.199/adminmse/audio/leo ... rnados.mp3 (1,4MB)
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Re: Zusammenfassung des 2. DWD-Tornado-Workshops

Beitragvon Forstexperte am Samstag 27. November 2010, 13:27

Hallo zusammen,

bzgl. der Intensität des Haumont-Tornados schließe ich mich hier Thilo an.

Wir sind damals 2008 auch auf oberes F4, also T9 gekommen, hatten eher über T8, also unteres F4 und T9 diskutiert.
F5 wurde nicht ernsthaft erörtert.
Zur Diskussion lag einiges an Bildmaterial vor. Björn Stumpf war auch vor Ort u. hat zahlreiche Bilder gemacht, ohne allerdings die Zeit für eingehendere Betrachtungen zu haben.

viewtopic.php?f=30&t=5906&p=39777&hilit=haumont#p39777

Viele Grüße, Martin
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