
Sinn und Zweck von Skywarn - Seite 1
Mit der Hilfe von Skywarn soll die Bevölkerung ortsgenau und sehr zeitnah (Kürzestfristbereich) vor Unwettern gewarnt
werden. Auch genaue Angaben über die Art und Schwere der Unwetter sind möglich. Dies passiert mit Hilfe eines Netzwerkes
von meteorologisch geschulten, ehrenamtlichen Chasern und Spottern.
Durch diese räumlich sehr präzisen und zeitlich sehr kurzfristigen Warnungen über Art und Schwere der Unwetter:
- werden nur die Menschen gewarnt, die tatsächlich unmittelbar von einem Unwetter bedroht werden
- können sich die von der Warnung betroffenen Menschen direkt auf die Situation einstellen (z.B. sofort vom Biergarten
ins Innere eines Lokals gehen). Eine bereits seit Stunden im Radio ausgesprochene, mehrfach wiederholte Warnung
dagegen läuft oft ins Leere, eben weil zunächst nichts passiert!
- können die von der Warnung betroffenen Menschen besser abschätzen, was auf sie zukommt (Überschwemmung, Hagelschlag,
Sturmschäden, Tornadogefahr) und wie gefährlich die Situation für sie tatsächlich werden kann (leichte, schwere oder
katastrophale Ausprägung dieser Wettergefahren)
Es ist daher als nicht als Konkurrenz, sondern als wichtige Ergänzung zu bisherigen Wetterwarnungen, die in allen Kriterien
nicht so präzise wie die vor Ort gemachten Beobachtungen sein können, zu sehen. Das geschulte menschliche Auge kann eben
mehr sehen als modernste Technik wie Satellit, Radar, Blitzorter und andere Fernerkundungssysteme. Ja, es bedient sich
dieser Technik, um die hier gewonnenen Daten vor Ort zu überprüfen.
Dass die Kombination von High Tech und menschlichem Sachverstand sehr effektiv ist, zeigt das Beispiel USA: Hier ist
Skywarn - auf der Basis tausender freiwilliger, geschulter Wetterbeobachter - seit mehreren Jahrzehnten ein essentieller
Bestandteil der dortigen Wetterwarnungen geworden - trotz, oder besser gesagt, mit der Hilfe fortschrittlichster
Fernerkundungstechnik. Viele tausende Menschen dort verdanken seitdem ihr Leben einem Zusammenspiel von Skywarn und
modernster Technik!
Vielleicht denken Sie jetzt:
Ja, in Amerika, da gibt es Tornados und andere schlimme Unwetter. Aber bei uns doch nicht! Weit gefehlt! Wenn auch bei uns
die Gefahr nicht so hoch wie in einigen Gebieten der USA einzustufen ist, es treten auch in Deutschland jedes Jahr mehrere
gefährliche Unwetter auf. Die ganze Palette von großem Hagel, überorkanstarken Gewitterfallböen und starken(!) Tornados
ist vertreten! Statistisch gesehen ereignet sich ca. alle 25 Jahre sogar ein verheerender Tornado!
Die folgende, längst nicht vollständige Auflistung einiger sehr gefährlicher Unwetter, die in Deutschland enorme Schäden
angerichtet und auch zu einigen Toten und zahlreichen Verletzten geführt haben, soll dies verdeutlichen:
- Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gab es im Kölner Raum (am 1.07.1891 und 7.08.1898) gleich zwei F4-Tornados.
Diese richteten verheerende Schäden an, töteten sechs Menschen und verletzen mehrere hundert. Nach damaligen Angaben
wären am 7. August 1898 in einer total zerstörten Fabrik zahlreiche Todesopfer zu beklagen gewesen, wenn nicht wegen
der Sommerhitze der Fabrikbetrieb geruht hätte.
- Am 29. Juni 1903 traf ein gewaltiges Hagelunwetter Osnabrück
und dessen Umgebung. Der Sachschaden betrug nach damaliger Währung mindestens 4-5 Mio. Mark. Nicht nur mehr als
130.000 Fensterscheiben, sondern auch zahllose Dachpfannen wurden durch die bis 11 cm großen Hagelsteine zertrümmert.
Wenn auch glücklicherweise kein Mensch getötet wurde, gab es doch zahlreiche Verletzte.
- Am 4. Juni 1910 zerstörte ein F4-Tornado Teile von West- und Ostrhauderfehn bei Leer.
- Am 1. Juni 1927 richtete ein F4-Tornado in Lingen schwere Schäden an und zerstörte die kleinen Dörfer Auen und
Holthaus nahezu vollständig. Neben einem getöteten Jungen gab es einige Schwerverletzte. Zuvor wurden in den
Niederlanden durch diesen Tornado 25 Menschen getötet!
- Am 8. Juli 1927 starben im östlichen Erzgebirge (Gottleuba) nach einer Sturzflut, die durch einen verheerenden
Wolkenbruch ausgelöst wurde, 146 Menschen.
- Am 10. Januar 1936 zog ein F4-Tornado über Oberkassel und Heerdt bei Düsseldorf und zerstörte und beschädigte dort
mehrere Fabrikanlagen.
- In den Abendstunden des 10. Juli 1968 traf ein F4-Tornado Pforzheim und die Umgebung. Zwei Tote, mehrere 100
Verletzte, sowie 150 Mio. DM Sachschaden waren die Bilanz. Wäre der Tornado nicht Sonntagabend, sondern werktags
tagsüber aufgetreten, hätte es nach amtlichen Schätzungen mehrere 100 Tote gegeben!
- Am Samstagnachmittag des 5. Mai 1973 zog ein F3-Tornado eine über 60 km lange Schneise der Zerstörung durch
Schleswig-Holstein und Teile der Kieler Innenstadt. Ein Mensch wurde getötet, mehr als 10 verletzt. Der Sachschaden
wurde auf 30 Mio. DM beziffert.
- In den späten Nachtstunden des 17. August 1974 traf ein schlimmes Hagelunwetter mit bis mehr als tennisballgroßen
Hagelsteinen die südlichen Teile der Landkreise Vechta und Diepholz, sowie den nördlichen Landkreis von Osnabrück.
Da vor 04:00 Uhr nachts noch kein Mensch unterwegs war, wurde glücklicherweise niemand verletzt. Allerdings wurden
allein 200 Kühe getötet und 30 Mio. DM Sachschaden angerichtet.
- In den frühen Abendstunden des 12. Juli 1984 ereignete sich in München und Umgebung das bisher teuerste Hagelunwetter
weltweit! Die bis zu 10 cm großen Hagelsteine verletzten mehr als 400 Menschen, zertrümmerten zahllose Autos, Fenster
und Dächer. Der Gesamtschaden betrug ca. 3 Mrd. DM; allein der versicherte Schaden lag bei ca. 1,5 Mrd. DM.
- Am 4. Juli 1994 tötete ein schweres Gewitter mit Sturmböen und Hagelschlag im Raum Köln fünf Menschen und richtete
dort einen Gesamtschaden von ca. 1 Mrd. DM an.
Auch wenn es in den letzten 10 Jahren in Deutschland keine ganz so folgenreiche Unwetter wie die hier beschriebenen mehr
gegeben hat; mehrere Tornados, darunter ein starker (mindestens F2) waren jedes Jahr dabei:
Sinn und Zweck von Skywarn - Seite 2
Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis wieder ein richtig schlimmes Unwetter einen dicht besiedelten Raum Deutschlands
trifft! Wenn das noch zur falschen Zeit passiert, können die Folgen schlimmer sein als die meisten sich vorstellen.
Zwar kann auch Skywarn die durch Unwetter angerichteten Schäden oder gar Unwetter selbst nicht verhindern. Aber: Bei
zeitnahen und akkuraten Warnungen kann die potentielle Gefahr für Leib und Leben deutlich verringert werden. Auch die Höhe
von Sachschäden kann bis zu einem gewissen Grad reduziert werden, z.B. wenn Autobesitzer ihre Wagen noch rechtzeitig in
Sicherheit bringen.
Sie werden sich jetzt vielleicht fragen: Bringen solch kurzfristige Warnungen vor schweren Unwettern oder gar Tornados
überhaupt etwas? Ist die Gefahr einer Panik nicht viel höher? Wir denken, bei entsprechender Aufklärung der Bevölkerung
sind die Gefahr von möglichen Paniken weitaus geringer als das potentielle Unwetterrisiko!
Übrigens gab es in den USA bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts Bestrebungen, ein dem Skywarn-Prinzip ähnliches
Beobachtersystem aufzubauen. Dieses wurde von den damaligen Regierungen mit der Begründung gekippt, Panik unter der
Bevölkerung zu vermeiden. Erst ca. 100 Jahre später wurde unter staatlicher Leitung doch ein derartiges Programm aus der
Taufe gehoben. Mittlerweile ist Skywarn seit ca. 30 Jahren ein fester Bestandteil des Unwetterwarnsystems in den USA
geworden und hat dort bereits vielen tausenden Menschen das Leben gerettet.
Für ein effektives Arbeiten von Skywarn ist allerdings eine größere Anzahl an Sturm-Spottern vonnöten. Wenn wir Ihr
Interesse geweckt haben sollten, geben Sie sich einen Ruck und machen Sie mit! Je mehr Spotter wir werden, desto genauer
werden die Unwetterwarnungen! Informationen zur Mitwirkung und Anmeldung als Spotter finden Sie hier:
Wie werde ich Spotter bei Skywarn?.
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