![]() Skywarn - das beobachtergestützte UnwetterwarnsystemSkywarn ist ein auf ehrenamtliche Wetterbeobachter (Spotter) gestütztes Warnsystem, das im Kürzestfristbereich und auf Ortsebene genau vor unmittelbar bevorstehenden Unwettern warnt. Darüber hinaus enthalten die Warnungen von Skywarn auch präzise Angaben über die Art und Stärke des heranziehenden Unwetters (welcher Unwettermodus; z.B. Sturmböen, Hagel, Tornado; und in welcher Intensität; ob mäßig, stark, verheerend). Dies ist möglich, weil die geschulten und zertifizierten Spotter ihre Bebachtungen vor Ort nach genau definierten Meldekriterien sofort per Funktelefon an die Skywarn-Zentrale melden, von wo diese Meldungen in Echtzeit mittels eines speziellen EDV-Programms generiert und unmittelbar an Wetterdienste, Radio, Fernsehen und andere Institutionen, wie z.B. Polizei und Feuerwehren, weitergeben werden.Die Wetterbeobachter für Skywarn können sowohl Spotter als auch Chaser sein. Letzteres sind wetterbegeisterte Menschen, die sich insbesondere für Unwetter interessieren und somit schon erhebliches Wissen in dieser Materie mitbringen, egal, ob diese nun Profi-Meteorologen oder Amateure sind. Die Unterschiede zwischen dem Spotter ("Sturmbeobachter") und dem Chaser ("Sturmjäger") bestehen zum einen darin, dass der Spotter relativ ortsfest positioniert ist (meistens zu Hause, aber auch auf der Arbeit oder zufälligerweise irgendwo unterwegs), während der Chaser aktiv den Unwettern entgegen fährt, oder dorthin fährt, wo in Kürze die stärksten Unwetter erwartet werden. Zum anderen unterscheiden sich auch die Motive zwischen den beiden Gruppen: Den Chaser als "Sturmjäger" zeichnet im Allgemeinen eine derartig große Leidenschaft für das Wetterphänomen Gewitter aus, dass er dieses (sofern sich eine Gelegenheit gibt) unbedingt erleben, auf Foto- und Videomaterial festhalten und anderen Gleichgesinnten mitteilen möchte. Die Faszination an diesen Naturerscheinungen ist also die treibende Kraft des Chasers. Wegen der Kleinräumigkeit von schweren Gewittern ist die Wahrscheinlichkeit dafür, ein solches zu erleben, wesentlich höher, wenn man sich aktiv auf die Gewitter zu bewegt, als wenn man zu Hause auf das Eintreffen wartet. Daher nimmt ein Chaser im Falle einer sich für ihn potentiell lohnenden Gewitterlage auch Fahrten bis zu mehreren 100 km mit dem PKW in Kauf, um den Verlauf eines vermuteten Unwetters zu erleben und zu dokumentieren. Die Fahrt erfolgt natürlich nicht blind ins Ungewisse, sondern der Chaser hat sich zuletzt unmittelbar vor seiner Abfahrt genau über die aktuelle Wetterlage im Kurzfrist-Vorhersagebereich informiert. Als Quelle dienen ihm dabei aufbereitete Informationen sogenannter "Remote-Sensing-Systeme" aus dem Internet. Hierzu zählen Satellitenbilder, Darstellungen des Niederschlagsradars und Blitzortungssysteme. Daneben spielen ständige Beobachtungen der Wolken eine ganz große Rolle. Zusätzliche informieren sich die Chaser laufend untereinander über die ganz aktuell sich entwickelnde Gewittersituation (z.B. bestimmte Wolkenformationen), bzw. über bereits konkret eingetretene Unwetterereignisse, wie Wolkenbruch, Hagel, Sturm. Unwettervorhersage, Beobachtung und die Nachhersage (Schadensanalyse) hängen eng miteinander zusammen: Die Organisationen ESTOFEX, Skywarn Deutschland und TorDACH sind enge Partner. ESTOFEX, das Kürzel für European Storm Forecast Experiment (zu deutsch Sturmvorhersage-Experiment), ist ein internationales Projekt von hochkarätigen "Severe-Weather"-Experten und begeisterten Meteorologiestudenten. ESTOFEX gibt mit dem sogenannten "Convektive Forecast" (zu deutsch etwa "Gewitter-Vorhersage") europaweit gezielte Unwettervorhersagen für mehrere Stunden bis zu etwa einem Tag im Voraus. Hierdurch können sich die Stormchaser gezielt auf eine kommende Unwettersituation einstellen (private Termine absagen, sich einen Urlaubstag nehmen, etc.). Man kann den "Convektive Forecast" von ESTOFEX auch als eine Art "Alarmierungsorgan" für die Stormchaser interpretieren. Skywarn wiederum trägt neben den direkten Unwetterbeobachtungen und Meldungen durch seine Recherche und Dokumentation auch gewesener Unwetterereignisse (Nachhersage) neben einer Verifikation (Bestätigung) des ESTOFEX-Forecasts zur Vervollständigung der TorDACH-Datenbank bei. Diese immer größer und vollständiger werdende Datenbank zeigt immer deutlicher die tatsächliche Gefährdung auch Deutschlands durch Tornados auf und rechtfertigt ein Zustandekommen des in Deutschland und Europa neuartigen, beobachtergestützten Warnsystems "Skywarn". Und ESTOFEX wird umso genauere "Convective Forecasts" erstellen können, je mehr Rückmeldungen über die Art und Schwere tatsächlich aufgetretener Schäden im Vergleich zu vorhergesagten Unwettererscheinungen aufgetreten sind. Ein primär kommerzielles Interesse des Chasers ist - im Gegensatz zum mittleren Westen der USA, wo die Häufigkeit von wirklich schweren Unwettern und Tornados zu bestimmten Jahreszeiten gegenüber Deutschland stark erhöht ist - nicht vorhanden. Allenfalls sekundär: Falls ein Chaser einen Tornado oder sonstige spektakuläre Wetterereignisse im Bild festhält, möchte er im Falle einer Veröffentlichung selbstverständlich auch einen angemessenen Beitrag dafür erhalten. Der Spotter als "Sturmbeobachter" interessiert sich häufig ebenfalls sehr für alle Phänomene, die mit Gewittern zusammenhängen. Ihm reicht aber ein bloßes Beobachten von zu Hause, oder von dort wo er sich gerade zufällig befindet, aus. Bei vielen gibt es jedoch keine strenge personelle Trennung zwischen Spotter und Chaser. Ein und dieselbe Person kann das eine Mal Spotter, das andere Mal Chaser sein. Je nachdem ob diese während der einen Unwetterlage herausfährt, um Gewitter zu jagen und während der anderen Unwetterlage (aus welchen Gründen auch immer) lieber zu Hause bleibt. Im Fall von Skywarn Deutschland e.V. gilt für beide Gruppen ohnehin das gleiche Oberziel: Im Falle eines beobachteten Unwetters gemäß den Melderichtlinien dieses unverzüglich via Hotline (per Telefon) an die Skywarn-Zentrale zu melden. Warum und wie dieses zustande kam, dazu ein kleiner Exkurs: Da Spotter und Chaser sich über ihre bloße Faszination am Phänomen Gewitter hinaus auch für deren Auswirkungen und potentiellen Gefahren interessieren, kam der Gedanke auf, die gemachten Beobachtungen einer potentiellen Gefahr (wie Tornados, großer Hagel, Orkanböen) unverzüglich zur Warnung der Bevölkerung weiterzugeben - zumal es in Deutschland derzeit kein beobachtergestütztes Unwetterwarnsystem gibt. Vorbild war dabei das Skywarn-System aus den USA. Dieses wird dort bereits seit etwa 3 Jahrzehnten sehr erfolgreich zur Verringerung von Unwetterfolgen eingesetzt. Durch das Zusammenspiel von modernster Fernerkundungstechnik und der in Skywarn widergespiegelten menschlichen Beobachtungsgabe entstand dort ein Unwetterwarnsystem, das sicher schon vielen 1000 Menschen das Leben gerettet hat. Dort lässt sich das Prinzip von Skywarn in den Anfängen bis in die frühen 40er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen (damals in der Zeit des 2. Weltkrieges noch für militärische Zwecke, um Militäranlagen vor Unwetterfolgen zu schützen). Mitte der 50er Jahre wurde nach einem schweren Tornado, der in Udall, Kansas, zahlreiche Tote und Verletzte gefordert hatte, vom Nationalen Wetterdienst ein ziviles, auf Beobachter gestütztes Warnprogramm beschlossen.Es dauerte noch einmal 10 Jahre, bis nach einem erneuten, folgenreichen Tornado-Ausbruch im April 1965 der Name Skywarn für ein beobachtergestütztes Tornadowarnprogramm unter der Leitung des Nationalen Wetterdienstes geschaffen wurde. Allerdings muss gesagt werden, dass ein Gewitterbeobachtungsnetz wie Skywarn eigentlich gar nichts völlig Neues ist, sondern auch in Deutschland schon einmal in ähnlicher Form existiert hat! Noch ist es heute so gut wie unbekannt, dass es vor ca. 100 Jahren in den größten Teilen des damaligen Deutschen Reiches für mindestens 20 Jahre ein flächendeckendes "Gewitterbeobachtungsnetz" gegeben hat, wenn auch wegen der technischen Möglichkeiten zur damaligen Zeit natürlich in anderer Form. Uns liegen Unterlagen zum Königlich Preußischen Beobachtungsnetz mit einer Liste von ca. 1000 Gewitterstationen, die flächendeckend über ganz Deutschland verteilt waren, vor. Diese wurden von ehrenamtlichen Personen (keine Berufsmeteorologen) unter der Leitung des Königlich Preußischen Meteorologischen Instituts betreut. Für die damaligen Königreiche Bayern und Sachsen werden ähnliche Netze erwähnt. So ist davon auszugehen, dass bis vor nicht einmal 100 Jahren das damalige Deutschland quasi komplett vorn einem flächendeckenden Spotternetz, bestehend aus weit mehr als 1000 Spottern, überzogen war. Ein dem amerikanischen Vorbild ähnliches Unwetterwarnsystem möchte Skywarn Deutschland e.V. in den kommenden Jahren auch in Deutschland aufbauen. Skywarn ist daher nicht als Konkurrenz zu privaten oder staatlichen Wetterdiensten zu sehen. Im Gegenteil: In einer Art Netzwerkverbund strebt Skywarn als gemeinnützige Organisation eine enge Zusammenarbeit mit allen hierfür in Frage kommenden Institutionen, wie Wetterdiensten, Radio- und Fernsehsendern, Rettungsleitstellen der Polizei und Feuerwehr, etc., an. Damit Skywarn funktioniert, ist ein möglichst dichtes Netz von ehrenamtlichen Spottern notwendig. Spotter kann jeder mit einem Mindestalter von 16 Jahren werden. Begeisterung bzw. Interesse für das Thema "Wetter" sind von Vorteil, aber nicht unbedingt notwendig. Auf keinen Fall muss man ein Profi-Meteorologe sein! Je mehr Menschen mitmachen, desto dichter ist das Beobachtungsnetz und desto effektiver werden die Warnungen sein. Allerdings muss jeder, der Skywarn-Spotter werden möchte und sich aktiv am Warnsystem beteiligen möchte, an einem kurzen, kostenlosen Kursus über Gewitterkunde teilnehmen und am Ende eine kleine Prüfung bestehen. In diesem Kursus werden Grundlagen von Unwettern und Gewittern behandelt und den Teilnehmern beigebracht, wie man ein Unwetter von einem "gewöhnlichen" Gewitter unterscheidet. Besondere Beachtung wird den Melderichtlinien geschenkt, da diese die Warngrundlage darstellen. Am Ende des Lehrganges werden die vermittelten Kenntnisse in einem Test überprüft. Dieser ist aber auch von interessierten Laien problemlos zu schaffen und wird zudem mit dem Titel "von Skywarn-Deutschland e.V. zertifizierter Spotter" belohnt. Der Kursus und die anschließende Prüfung sind wichtig, da eine gute Qualität der abgegebenen Meldungen gesichert und Falschmeldungen vermieden werden müssen. Denn wegen der kurzen Vorwarnzeiten bei Skywarn darf es nur zu einer minimaler Verzögerung zwischen Beobachtung und Warnung kommen. Daher werden die von Spottern gemeldeten Unwetterbeobachtungen von der Skywarn-Zentrale unmittelbar und ohne Kontrolle computergeneriert an Interessenten weitergegeben. Dafür muss eine sachliche Richtigkeit der Meldungen gewährleistet sein. Zum besseren Verständnis von Unwettern und zur Anschauung möchte Skywarn auch längere Zeit zurückliegende Unwettereignisse analysieren und dokumentieren. Daher sind wir jedem konkreten Hinweis in dieser Sache sehr dankbar. Falls Sie etwas beobachtet haben (z.B. ein Hagel- oder Sturmereignis), selbst von einem Unwetter betroffen waren oder sogar Bild- oder Videoaufnahmen machen konnten, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen. Benutzen Sie dazu entweder die Skywarn-Hotline 05404 / 99 60 30 oder schreiben Sie uns eine E-Mail an sven.lueke@skywarn.de.
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