Großwetterlage und Gewitterentwicklung:

 

Am 11.09.2011 stand eine weitere Unwetterlage in Deutschland an. Die Kaltfront eines kräftigen Tiefdruckgebiets sollte die schwülwarmen Luftmassen über Deutschland von Westen her ausräumen und durch kühlere Luftmassen ersetzen. Die Temperaturen waren trotz fortgeschrittener Jahreszeit sommerlich; daher wurde auch mit Cape - Werten von bis zu 1500J/kg gerechnet.

Durch starke Luftdruckgegensätze und Höhenwinde war die Windscherung an diesem Tag sehr hoch. Dies fördert zusätzlich die Bildung von starken Gewittern.

Wetterkarte

Die Luftdruckverteilung am Boden und in 5km Höhe - zu sehen auch das Bodentief, welches am Boden die Windscherung erhöhte, Grafik: wetter3.de

 

Der Deutsche Wetterdienst und die Meteomedia Unwetterzentrale gaben bereits am Morgen Unwetterwarnungen für einen Streifen südöstlich einer gedachten Linie Bonn-Hannover aus.

Der Schwerpunkt der Unwetter lag dann am Mittag zuerst im Saarland und in Rheinland-Pfalz und verlagerte sich dann am Nachmittag und Abend weiter ostwärts nach Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen.

Weitere schwere Gewitter entstanden auch in Bayern. Im Raum Ingolstadt meldete ein Skywarn-Spotter eine Funnelcloud und eine extrem hohe Blitzrate.

 

Hagel

Hagel in Thüringen, Foto: Oliver Kox

Besondere Beachtung verdient eine Superzelle in Sachsen-Anhalt. Durch ihre außergewöhnlichen Wettererscheinungen (Kombination von Großhagel und Orkanböen/Downbursts sowie einen schwachen Tornado) reiht sich das Gewitter weit oben in der Liste der stärksten Unwetter in Deutschland ein. Getroffen wurde vor allem die Region um Peißen/Bernburg.

Folgende Aufnahme von Christian Schöps zeigt in beeindruckender Art das Unwetter:

 

Unwetter

 

Die Schadensmeldungen betrafen Überflutungen durch Starkregen und (großen) Hagel, Orkanböen sowie kleinere Erdrutsche, die durch die extrem hohen Niederschläge verursacht wurden.

Die Schäden gehen allein in Sachsen-Anhalt in den 3-stelligen Millionenbereich, deutschlandweit kann man von einer Schadenssumme von 300-500 Millionen Euro ausgehen.

Extrem grosser Hagel von mehr als 6 cm Durchmesser wurde gemeldet aus Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz sowie aus Peißen in Sachsen-Anhalt. Hier wurde nahezu jedes Gebäude im Ort durch den extremen Hagel beschädigt!

Der bereits kurz erwähnte Tornado wurde im Bereich östlich von Elsnigk zwischen Bernburg und Dessau in Sachsen-Anhalt beobachtet und gefilmt.
Das Video des Tornados ist hier bei Youtube zu sehen: http://youtu.be/Q9Q80PKAtUs

Auffällig ist hier die räumliche Nähe zu Micheln, dass etwa 5 km nordwestlich von Elsnigk liegt. In Micheln gab es am 23.06.2004 einen der stärksten Tornados der letzten 10 Jahre in Deutschland.

 

Blitzortung

Besonders deutlich ist die Zugbahn einer Superzelle von Hessen bis Brandenburg, Grafik: lightningmaps.org

 

 

Links:

http://www.nonstopnews.de/galerie/14017

Tornado in Sachsen Anhalt:

http://www.tornadoliste.de/read734

Videos zum Hagel bei Peißen/Bernburg: https://www.youtube.com/watch?v=VkrqXQ3TtaQ&list=PL61F72AC4429A302D

   
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