Synoptische Übersicht:

 

Vor der sich langsam ostwärts verlagernden Kaltfront des Tiefkomplexes im Nordwesten wurde noch einmal feuchtheiße Luft insbesondere in den Süden und Osten Deutschlands transportiert. Trogseitig entstand eine Konvergenzlinie, die die äußerst labile Luft in Höhen mit relativ starker Windscherung heben konnte. Nach Abzog der Kaltfront, bildeten sich in einer weiterhin schwülen Luftmasse (bedingt durch Tiefdruckeinfluss im Südosten) weitere Konvergenzlinien, die im Südosten und Westen noch einmal Hebung brachten, allerdings bei wesentlich geringerer Scherung.

Wetterkarte

Druckverteilung am Mittag vom 28.07.2013 - Quelle: http://www.wetter3.de/

 

 

Gewitterentwicklung:

Erste Gewitter entstanden bereits in der Nacht zum 28.07. in einem Streifen vom Schwarzwald bis nach Westfalen und ein etwas intensiverer Komplex in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Bis zum Morgen lösten sich die letzten Reste davon im Nordosten auf. Stärkere Gewitteraktivität begann mit der Wetterwirksamkeit der Konvergenzlinie im äußersten Südwesten am Nachmittag. Eine einzelne Gewitterzelle zog zuvor durch Südniedersachsen. Unter rascher Verclusterung intensivierten sich die Gewitter im Südwesten, wobei sich eine Zelle zu einer Superzelle entwickelte. Sie zog mit einer Gruppe weiterer intensiver Gewitter über Württemberg und Bayern hinweg.
Diese bildeten zusammen bald darauf ein blitzstarkes Cluster, das am Abend nordostwärts nach Tschechien zog. Hinter dem Cluster gab es einzelne schwächere Entwicklungen, die zum Teil noch Thüringen erreichten. Parallel dazu formierten sich auch im Nordosten noch einige schwächere Gewitter.

 

Gewitter

Superzelle bei Göppingen, Foto: Daniel Eggert

 

Durch entkoppelte Auslöse und Bodentiefentwicklung verlagerte sich der Gewitterschwerpunkt am späten Abend zunehmend auf Sachsen. Die Gewitter im Nordosten organisierten sich linienhaft. In der zweiten Nachthälfte intensivierte sich der Gewitterkomplex über Sachsen und breitete sich nach Brandenburg aus.

Am Morgen des 29.07. zogen die Gewitter Richtung Polen ab. Am Mittag begann dann vereinzelte Gewitterbildung im Westen, die sich teilweise linienhaft organisierte, jedoch schnell mangels Energie zerfiel, die vorderseitig von einem sich über Bayern bildenden mesoskaligen konvektiven System (MCS) aufgebraucht wurde. Dieser zog unter Verstärkung nordostwärts über Tschechien und Polen. Die Gewitterkomplexe hinterließen sowohl im Osten als auch im Süden große, kräftige Niederschlagsgebiete.

Video der Superzelle: http://www.youtube.com/watch?v=WFapOcUJaII

 

Blitzortung 

Beeindruckende Zugbahn der Superzelle quer über Süddeutschland, Grafik: lightningmaps.org

 

 

Schäden:

Betroffen war vor allem Süddeutschland durch die Superzelle und die sie begleitenden starken Zellen. Erstere richtete erste Schäden kurz nach ihrer Entstehung am östlichen Schwarzwald an und später auf ihrer Zugbahn entlang der Schwäbischen Alb bis nach Franken.

Großer Hagel, Blitze, Sturmböen und Starkregen verletzten dabei etwa 70 Menschen und verursachten laut ersten Schätzungen verschiedener Versicherungen Schäden von über einer Milliarde Euro. Damit handelte es sich wohl um das teuerste dokumentierte Hagelereignis der deutschen Geschichte noch vor dem Münchener Hagelsturm von 1984.

In der zweiten Nachthälfte war hingegen das Erzgebirge besonders betroffen. Blitze und Sturmböen richteten zum Teil schwere Schäden an. Kräftige, länger anhaltende Niederschläge verursachten sowohl in Baden-Württemberg als auch in Berlin und Überflutungen.

 

Presselinks:

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.unwetter-im-suedwesten-schaden-belaeuft-sich-auf-100-millionen-euro.a322528b-20a9-47bd-a657-65ad74a45ad6.html

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Nach-dem-Hagelsturm-Wie-giftige-Gewitterzellen-entstehen

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Unwetter-im-Suedwesten-hat-Millionenschaden-angerichtet

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.unwetter-in-stuttgart-und-region-sturzflut-haelt-einsatzkraefte-auf-trab.e15231b6-cc72-418b-85ef-ca520eb769c0.html

http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article118516332/Nach-dem-Starkregen-versinkt-ein-Berliner-Kiez-im-Wasser.html

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/THEMA_DES_TAGES_REGIONAL/TOP_2/Blitz-entzuendet-Dachstuhl-Sturm-schlaegt-Schneise-im-Erzgebirge-artikel8475675.php

In dieser Pressemitteilung ist von einem Mini-Tornado die Rede. Abgesehen davon, dass es so etwas wie einen Mini-Tornado nicht gibt, steht eine Verifikation des Falles als Tornado noch aus; siehe http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=34&t=10550

 

Chasing-Berichte:

http://forum.skywarn.de/viewtopic.php?f=4&t=10546

http://www.natur-motive.de/index.php/gewitterjagd-2013/102-28-juli-reutlinger-hagelunwetter

   
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